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Vollständige Version anzeigen : Facharbeit über A. cacatuoides


Arne
15.08.2005, 01:13
Hallo,

da ich in letzten Halbjahr eine Facharbeit über Apistogramma cacatuoides geschrieben habe, möchte ich euch diese nicht vorenthalten.


Möglichst vollständige Beobachtung des Fortpflanzungsverhaltens von Apistogramma cacatuoides

http://img280.imageshack.us/img280/2506/ac18bt.th.jpg (http://img280.imageshack.us/my.php?image=ac18bt.jpg)

Name: H.
Vorname: Arne
Schule: Hannah-Arendt Gymnasium Lengerich
Kurs: Biologie Leistungskurs 12.1
Kursleiterin: Frau G.


1.Einleitung
Nachdem ich nun schon 12 Jahre Fische halte, war es für mich schon in der 10.ten Klasse klar, dass ich meine Facharbeit in der 12.ten Klasse über Fische schreibe.
Ich habe mich für das genannte Thema entschieden, da Apistogramma cacatuoides ein sehr schönes Brutpflegeverhalten zeigt, über das man einiges schreiben kann. Außerdem interessiert es mich, welche Merkmale des weiblichen Fisches ausschlaggebend für das Nachschwimmen der Jungfische sind.


2. Die Gattung Apistogramma
Die Gattung Apistogramma wurde bereits 1913 von REAGAN beschrieben. Sie gehört zur Ordnung der Barschartigen (Perciformes). Diese wird noch mal in die Unterordnung der Lippfischartigen (Labroidei) eingeteilt. Dort gehört sie der Familie der Buntbarsche (Cichlidae) an und wird in die Unterfamilie der Geophaginae eingeordnet. Sie setzt sich aus ca. 50 beschriebenen und nocheinmal genauso viel unbeschriebenen Arten zusammen und noch heute werden immer wieder neue Arten entdeckt. Damit gehören sie zur artenreichsten Gattung in der Familie.
Die Heimat dieser Fische liegt in Südamerika, wo sie im Amazonasgebiet häufig anzutreffen sind. Die meisten Arten haben nur ein kleines Verbreitungsgebiet, welches sich zum Teil auf nur wenige Flüsse und manchmal auch nur einige Flusskilometer beschränkt. Andere hingegen haben ein sehr großes Vorkommensgebiet, weshalb es auch zu fundortspezifischen Populationen innerhalb einer Art kommen kann. Sie bevölkern alle amazonischen Gewässertypen (Klar -, Weiß -, Schwarz - und Mischwasser ) . Zudem weisen alle Arten einen starken Geschlechtsdimorphismus auf, d.h. die Männchen werden etwa doppelt so groß wie die Weibchen und weisen mehr Farbanteile auf. Die Weibchen besitzen eine unscheinbare Färbung und weisen in der Brutzeit eine gelbe Färbung mit schwarzen Quer- und Längsstreifen auf.
Im Aquarium gelten die Arten als anspruchsvolle Pfleglinge, da sie zumeist aus Gewässergebieten mit extremen Wasserwerten stammen. Der Großteil der Gattung mag extrem weiches und saures Wasser, mit einer Gesamthärte von unter 4°dGH und einem pH-Wert von 5,5 bis 6.
Aber es gibt auch einige Arten, welche mit einem mittelharten Wasser (Gesamthärte von 10-15°dGH) und einem neutralen pH-Wert um 7 zurechtkommen und sich darin sogar vermehren lassen. Als Beispiele für diese Arten dienen Apistogramma borelli und Apistogramma cacatuoides.


3. Beschreibung von Apistogramma cacatuoides
Apistogramma cacatuoides wurde 1950 zum ersten Mal eingeführt und wurde 1951 von HOEDEMAN beschrieben. Durch einen Fehler von MEINKEN wurde sie im Jahr 1961 als Apistogramma borelli identifiziert und unter diesem Synonym im Handel angeboten . Später konnte man diesen Fehler beheben und ihn unter seiner richtigen Bezeichnung anbieten.
Im großen und ganzen wirkt Apistogramma cacatuoides gedrungen. Die Färbung variiert zwischen einem Braun und Grau oder aber auch Gelb und Grün schimmernd. Dieses ist von
der jeweiligen natürlichen Variante oder der Zuchtform abhängig. Die Körpermitte wird von einem breiten schwarzen Streifen geziert, der sich vom Auge bis zur Schwanzwurzel erstreckt. Das Kinn und die Stirn tragen ebenfalls schwarze Zeichnungselemente. Von senkrechten dunklen Balken auf dem Rumpf sind nur die Ansätze unter der Rückenflosse zu erkennen, genauso wie die horizontalen Afterflossenstreifen, die zu gepunkteten Linien reduziert sind. Das Männchen besitzt fadige Verlängerungen an den Unpaaren sowie an den Ventralen . Weiterhin sind die ersten Hartstrahlen der Dorsale erheblich verlängert, was den Eindruck einer Krone oder Haube erweckt, wie man sie von dem Vogel Kakadu kennt – daher auch der Artname cacatuoides und der deutsche Name „Kakadu-Zwergbuntbarsch“. Die unpaaren Flossen und vor allem die Caudale weisen verschiedene Farben auf. Dieses kann sehr unterschiedlich sein. Die früheren Wildfänge wiesen nur einen kleinen Fleck von roten oder orangefarbenen, schwarz eingefassten Augenflecken auf. Damals handelte es sich um ein ausschließlich männliches Merkmal. Durch die Auswahlzucht gibt es heute viele verschiedene Farbformen und auch die Weibchen weisen Farbmerkmale auf, jedoch in geringerem Ausmaß. Der Geschlechtsdimorphismus ist auch bei Apistogramma cacatuoides stark ausgeprägt. Das Männchen wird zum einen mit 8 - 10 cm ungefähr doppelt so groß wie das Weibchen. Außerdem ist es viel farbenprächtiger als der weibliche Fisch. Charakteristisch für das Männchen sind die wulstigen Lippen, welche bei beim Weibchen fehlen.


4. Lebensverhältnisse
4.1 In der Natur
Apistogramma cacatuoides hat ihren Verbreitungsschwerpunkt im Amazonasgebiet Perus, kommt aber auch in den Grenzbereichen des benachbarten Brasiliens vor. Hier leben die Fische in kleinen Waldbächen, mit dunklem Boden und Totholz und einer mehrere Zentimeter hohen Falllaubschicht . Sie können sich dort nicht nur vor im Wasser lebenden Fressfeinden verstecken, sondern auch vor fischfressenden Vögeln, welche Jagd auf sie machen. Durch diese Gegenstände bilden sich viele Höhlen und Unterstände, die als Brutplätze genutzt werden. In dem zersetzenden organischen Material vermehren sich viele verschiedene Einzeller, die den Jungtieren in den ersten Lebenswochen als Nahrungsgrundlage dienen und auch von den Alttieren nicht verschmäht wird. Das Wasser in diesen Bächen ist mittelhart (Gesamthärte von 10-15°dGH) und weist einem neutralen pH-Wert um 7 auf.
Bei der Vermehrung tritt eine Besonderheit auf. Das Männchen beansprucht ein Großrevier, welches es gegen Feinde und andere Eindringlinge verteidigt. In diesem Revier bilden die Weibchen kleinere Brutreviere, welche sie gegen andere Weibchen verteidigen. Sie sind Höhlenlaicher und legen ihre Eier dementsprechend in kleinen Höhlen und Spalten oder zwischen Falllaub und Totholz ab. Die Nachwuchspflege übernimmt das Weibchen allein. Die Männchen sind polygam und verpaaren sich mit allen Weibchen. Dieses Verhalten nennt man Mann-Mutter-Familie.


4.2 Haltung im Aquarium
Apistogramma cacatuoides ist durch seine ansprechende Färbung und Größe ein beliebter Aquarienfisch. Da er auch in der Natur in mittelhartem, alkalischen Wasser vorkommt, ist seine Haltung relativ einfach, im Gegensatz zu anderen Vertretern der Gattung, welche sehr weiches Wasser sowie einen sauren pH-Wert bevorzugen.
Das Aquarium sollte eine Mindestbeckenlänge von 80cm aufweisen. Dieses sollte strukturiert eingerichtet sein, d.h. es sollten verschiedene Höhlen und Holzwurzeln, sowie einige Blätter von Buche oder Eiche vorhanden sein. Als Bodengrund ist Sand sehr wichtig, da er ständig von den Fischen „durchgekaut“ wird. Dazu nehmen sie ihn in den Mund und lassen ihn durch die Kiemen wieder heraus, damit filtern sie Kleinstlebewesen heraus. Es gibt viele verschiedene Pflanzen, die als Begrünung geeignet sind. Auch sie bieten zusätzliche Versteckmöglichkeiten. Eine Abschattung des Aquariums durch Schwimmpflanzen ist anzuraten, da die Fische bei grellem Licht scheu werden können.
Obwohl in der älteren Literatur empfohlen wird, ein Männchen mit mehreren Weibchen zu halten, habe ich die Erfahrung gemacht, dass eine Paarweise Haltung besser ist, jedenfalls in kleineren Aquarien. Die Weibchen zeigen ein großes Aggressionspotential, welches vor allem in der Laichzeit zum Ausdruck kommt. Dabei kann es passieren, dass ein Weibchen das ganze Aquarium für sich beansprucht und das andere Weibchen unterdrückt. Wenn man das unterdrückte Weibchen in diesem Aquarium lässt ist somit zum Tode verurteilt, da es nicht mehr ans Futter gelassen wird und ständig von dem ranghöheren Tier malträtiert wird. Diese Erfahrung habe ich gemacht, als ich ein Trio in einem 80cm langen Becken gehalten habe. Seit dem halte ich nur noch ein Pärchen pro Aquarium.
Da Apistogramma cacatuoides auch relativ friedlich gegenüber anderen Fischen sind, kann man sie auch gut in einem Gesellschaftsbecken halten. Aber auch hier müssen ihre Grundbedürfnisse erfüllt werden.


5. Verhalten
5.1 Gegenüber anderen Fischen
Das Verhalten von Apistogramma cacatuoides kann man allgemein als wenig aggressiv bezeichnen. Sie lassen sich sehr gut mit Fischen anderer Gattungen vergesellschaften und stellen ihnen nicht nach, sofern sie mindestens 3cm groß sind. Kleinere Fische werden meist als Futter angesehen und gejagt.
Die Vergesellschaftung mit anderen Apistogramma Arten bringt so gut wie immer Probleme mit sich, da die verschiedenen Männchen sich gegenseitig bekämpfen, weil sie das ganze Aquarium als ihr Revier ansehen und keine anderen Männchen darin dulden. Diesem Problem kann man nur entgegenwirken, indem man das Aquarium stark strukturiert. Dabei sollte man darauf achten, dass man bereits Reviergrenzen bzw. Sichtbarrieren schafft in Form von Wurzeln oder Pflanzen. Sonst überlebt nur das stärkste Männchen einer Art.

Arne
15.08.2005, 01:15
5.2 Innerartliches Verhalten
Innerartlich verhalten sich Apistogramma cacatuoides zum Teil sehr aggressiv.
Werden in einem Aquarium mehrere Männchen gehalten ist das größte Männchen auch das ranghöchste. Begegnet es einem anderen Männchen versucht es den Eindringling zuerst durch Imponieren zu beeindrucken. Dabei nimmt es eine schräge Körperhaltung ein. Oft ist dies ausreichend und der Eindringling flüchtet mit angelegten Flossen und wird noch bis zur Reviergrenze gejagt. Dabei kommt es manchmal vor, dass er einige Flossenstücke abgebissen bekommt, welches aber ohne Folgen bleibt. Ein Kriterium für eine erfolgreiche Vergesellschaftung ist auch hier wieder ein großes Aquarium mit sehr vielen Versteckplätzen.
Im Gegensatz dazu sind die Weibchen noch aggressiver. In ihren Kleinrevieren, die ca. 40cm Durchmesser haben und in mindestens eine Höhle oder Versteckplatz einschließen, dulden sie kein anderes Weibchen. Eindringlinge werden, noch härter als bei den Männchen beschrieben, verjagt. Sie imponieren einander, indem sie die Dorsale anlegen und voreinander die Kiemendeckel abspreizen. Dabei schwimmen sie immer wieder aufeinander zu. Findet sich dabei noch kein Sieger gehen sie zu Scheinangriffen über. Die Weibchen schwimmen mit ihrem Kopf in den Rumpf der Gegnerin. Meist wird hiermit deutlich, wer die Stärkere ist. Ansonsten werden die Flossen als Angriffsziele benutzt und es kommt zum Verlust einiger Flossenstücke. Nach so einem Kampf, der zwischen ca. zwei und fünf Minuten dauern kann, zieht sich das unterlegene Weibchen, mit angelegten Flossen zurück. In zu kleinen Aquarien wird das unterlegene Weibchen ständig gejagt und verkümmert dann, weil es nicht an Futter gelangt.
Junge Männchen legen meist die weibliche Färbung an, damit sie vom ranghöchsten Männchen nicht attackiert werden. Diese Tarnung erfüllt auch ihren Zweck, jedoch werden sie dann von den Weibchen angegriffen. Also eine eigentlich zweifelhafte Tarnung.


5.3 Während der Brutpflege
5.3.1 Bei alleiniger Haltung (Versuch 1)
Ich habe für diesen Versuch eine Zuchtform von Apistogramma cacatuoides ausgesucht. Sie wird Red oder Red Flash genannt. Die Caudale, die Dorsale sowie die Anale sind bei diesen Tieren rot mit schwarzen Augenflecken.
Ins Zuchtaquarium setzte ich ein Pärchen der genannten Form ein. Die Wassertemperatur betrug konstant 25°C. Als Futter erhielten sie lebende Wasserflöhe sowie rote und weiße Mückenlarven. Außerdem gab es Flockenfutter sowie diverses anderes Lebendfutter. Einen Wasserwechsel führte ich alle fünf bis sieben Tage durch, wodurch das Wasser einen nicht nachweisbaren Nitrit-Wert aufwies.
Nachdem ich die Fische in das Becken eingesetzt hatte, begonnen sie ihr neues Heim zu erkunden. Alle Ecken und Höhlen wurden gründlichst untersucht.
Nach ungefähr einer Woche legte das Weibchen ein kontrastreiches gelb-schwarzes Farbkleid an. Die Grundfärbung war ein zitronenfarbenes Gelb, welches von mehreren schwarzen Streifen durchkreuzt wurde. Ein breiter Längsstreifen begann direkt hinter dem Auge und zog sich über den Rumpf bis zur Schwanzstiel. Ein anderer Querstreifen begann oberhalb des Auges und zog sich über den Operculum bis zur Kehle hinunter. Hier wurde er durch kräftige schwarze Vorderkanten der Ventralen fortgesetzt.
Das Weibchen zeigte nun auch ein großes Interesse für die in der Mitte gelegene halbe Kokosnuss. Es schwamm immer wieder hinein und brachte hin und wieder ein Maul voll Sand mit heraus. Wenn das Männchen vorbei schwamm stellte es sich schräg und zeigte ihm ihre gelb-schwarze Flanke. Dieses Verhalten konnte ich noch die drei nachfolgenden Tage beobachten. Auch entwickelte es eine kurze Genitalpapille .
Als das Weibchen ihm wieder ihre Flanke präsentierte, folgte ihr das Männchen zur Höhle. Dort umkreisten sie sich und standen rüttelnd mit abgespreizten Flossen voreinander. Dann schwamm das Weibchen in die Höhle und legte ein paar Eier am Höhlendach ab. Das Männchen seinerseits war zu groß für den kleinen Höhleneingang und stellte sich quer vor diesen. Der Körper des Männchens zitterte und gleich danach beförderte es die gerade abgegebenen Spermien mit einem kräftigen Schlag der Caudale in die Höhle, wo sie die Eier befruchteten. Dieses Schauspiel dauerte eine gute Stunde und das Weibchen war sichtlich schlanker geworden. Es kam nun auch nicht mehr aus ihrer Höhle heraus, sondern blieb die ganze Zeit in ihr und fächelte den Eiern mit Hilfe ihrer Caudale und der Pectorale sauerstoffreiches Frischwasser zu. Die Eier hingen an der Decke und die Eifarbe war weißlich. Dieses Verhalten konnte ich acht Tage lang beobachten. Das Weibchen kam nur zur Fütterung heraus. Hierbei nahm es allerdings nur das, was es schnell erhaschen konnte und kehrte dann wieder in ihre Höhle zurück.
Ich vermute, dass die Jungen am vierten oder fünften Tag schlüpften, da die Mutter am achten Tag zum ersten Mal die Höhle mit ihnen zusammen verließ und kein Dottersack mehr sichtbar war.
Die Jungen hielten sich überwiegend in Bodennähe auf und bewegten sich hüpfend über den Bodengrund vorwärts. Wenn die Mutter in der Nähe war, schwammen sie ungefähr zwei bis drei Zentimeter über dem Boden und versammelten sich unter dem Weibchen. Dieses führte den Jungfischschwarm in die linke hintere Ecke des Aquariums. Hier waren größere Ansammlungen von Mulm und ein großes Polster Vesicularia dubyana. Hierin befanden sich viele verschiedene Infusorien und andere Kleinstorganismen die den jungen Fischen als Nahrung dienten. Sie hielten sich den ganzen Tag über in der linken Ecke auf. Das Weibchen passte immer auf das der Schwarm zusammenblieb. Entfernten sich einmal ein paar Junge oder kamen nicht mit, wurden sie vom Weibchen in das Maul genommen und zurück in den Schwarm gespuckt. Am Abend, kurz bevor das Licht ausging, führte das Weibchen sie vor die Bruthöhle, nahm sie wieder in Mund und spuckte sie durch den Höhleneingang herein. Am nächsten Tag erkundete die Familie die rechte Ecke des Aquariums. Auch hier gab es Mulmansammlungen hinter einer Cryptocoryne wendtii Gruppe. Diese wurden immer wieder, über den Tag verteilt, aufgesucht. Am Ende des zweiten Tages hatte die kleine Familie das gesamte Aquarium in Augenschein genommen und die nahrungsreichsten Plätze wurden vermehrt aufgesucht.
Das Weibchen passte, trotz der nicht vorhandenen Bedrohung durch andere Fische, ständig auf die Jungfische auf und hielt sie in einem Schwarm. Ihre gelbe Färbung war genauso intensiv wie bei Beginn der Brutpflege. Das Männchen beteiligte sich gar nicht an der Pflege der Brut. Dieses lag vielleicht auch daran, dass das Weibchen ihn immer angriff, wenn es der Brut näher als ca. 15 cm kam.
Da die Ernährung der Jungfische nur durch Infusorien nicht ausreicht, fütterte ich sie ab dem zweiten Tag mit Artemia cf. salina Nauplien. Ich saugte diese mit einer Spritze ein und gab den Inhalt in den Jungfischschwarm. Diese schnappten auch sogleich danach und bekamen kleine runde Bäuche von dieser Nahrung.
Nach einer Woche starb das Männchen an einer unbekannten Krankheit. Ich denke, dass es entweder Bauchwassersucht oder Fischtuberkulose war, da die Symptome (aufgeblasener Bauch sowie Farbverlust) auf diese Krankheiten hinwiesen. Nun waren nur noch das Weibchen und die Jungfische im Aquarium.
Das Weibchen pflegte die Jungen noch weitere zwei Wochen und hielt sie in einem Schwarm zusammen. Danach erlosch der Brutpflegeinstinkt ein wenig und die Jungfische verteilten sich im Aquarium. Die gelb-schwarze Brutfärbung hielt jedoch noch an.
Im Alter von vier Wochen erlosch auch die Brutpflegefärbung des Weibchens und ich konnte erste Revierkämpfe bei den nun schon ungefähr ein bis anderthalb Zentimeter großen Fischen beobachten. Einige der Halbwüchsigen zeigten bereits schon erste Farbmerkmale in der Caudale sowie Dorsale. Ansonsten dominierte eine grau-schwarze Färbung ihren Körper, wie sie Weibchen zeigen, die nicht in Brutstimmung sind.
Nach fünf Wochen setzte ich die 44 Halbwüchsigen Apistogramma cacatuoides in ein (L/T/H) 80*35*40cm großes Aufzuchtbecken. Dort erfolgt nun die weitere Aufzucht für die spätere Abgabe.


5.3.2 Mit „Feindfischen“ (Versuch 2)
In dasselbe Becken setzte ich nun sieben Xiphophorus maculatus var. Blutendes Herz als Feindfische ein. Nachdem ich ein neues Männchen besorgt hatte, begann ich mit dem zweiten Versuch.
Etwa einen Tag nach einem Wasserwechsel mit sehr kaltem Wasser färbte sich das Weibchen, welches wieder an Bauchumfang zugelegt hatte, gelb-schwarz. Als Brutplatz wurde diesmal die rechte Höhle ausgewählt. Das Ablaichen fand am Nachmittag statt. Nach einer kurzen Balz verschwanden beide Fische in der Höhle. Nachdem sie dort ungefähr eine Stunde blieben, verscheuchte das Weibchen das Männchen aus der Nähe der Höhle und kam nicht mehr aus der Höhle heraus. Die Eifarbe war durch die Fütterung mit Artemia-Nauplien dunkelrot.
In den ersten Tagen nach der Eiablage wurden alle Fische, die sich dem Höhleneingang auf weniger als rund zehn Zentimeter näherten, von dem Weibchen verscheucht. Auch das eigene Männchen wurde nicht verschont.
Nach sechs Tagen fing ich das Männchen heraus und setzte es in ein anderes Aquarium.
Nach sieben Tagen schwamm das Weibchen immer wieder von der rechten zur mittlersten Höhle. Dabei transportierte es immer wieder einige Larven im Maul. Dieses Verhalten konnte ich den ganzen Nachmittag beobachten.
Am achten Tag nach der Eiablage schwamm die Mutter aus der mittlersten Höhle mit einem großen Jungfischschwarm in die linke Ecke des Aquariums. Die Jungfische bewegten sich, auch wenn die Mutter in der Nähe war, nur ungefähr einen Zentimeter über dem Boden hüpfend vorwärts. Schwamm das Weibchen weg, um einen Feind zu verscheuchen, ließen sie sich sofort auf den Boden sinken und bewegten sich nicht mehr, bis das Weibchen wieder zurück kam. Das Schwarmverhalten war sehr ausgeprägt und alle Jungfische bildeten am Boden einen dichten Pulk. Das Weibchen verteidigte die Jungen in einem Radius von rund 10 bis 15 cm und hielt sie immer dicht in einem Schwarm zusammen. Dieses Verhalten konnte ich in den ersten zwei Wochen beobachten.


5.3.3 Unterschiede/Gemeinsamkeiten
Bei den durchgeführten Versuchen konnte man beobachten, dass das Weibchen ihre Brutpflege aufopferungsvoll betrieb.
In beiden Versuchen wurde die Brut gehegt und zu den vorhandenen Nahrungsquellen geführt. Abends wurden die Jungfische in einer der Höhlen untergebracht. Interessant dabei ist, dass ich nur beobachten konnte, wie das Weibchen die Jungfische in die mittlerste oder rechte Höhle brachte. Die linke Höhle wurde nie benutzt, weder zum laichen noch als Nachtquartier. Bei ihrem ersten Freischwimmen wurden die Jungen vom Weibchen immer in die linke Ecke geführt.
Unterschiedlich war das Verhalten der Jungfische. In Versuch 1 bewegten sie sich bereits am zweiten Tag rund doppelt so hoch über dem Boden wie in Versuch 2. Nach rund einer Woche entfernten sie sich bereits ungefähr 10 cm von der Mutter. In Versuch 2 kauerten sie sich immer noch auf dem Boden und entfernten sich gar nicht von der Mutter. Allerdings war in Versuch 2 das Pflegeverhalten des Weibchens auch stärker und die Jungfische konnten sich gar nicht von ihr entfernen, da sie sie sofort ins Maul nahm und zurück in den Schwarm spuckte.


6. Versuchsaufbau
Für den Versuch benutzte ich ein Aquarium mit einem Inhalt von 112 Liter, welches die Maße (L/T/H) 80*35*40cm hatte. Dieses war mit einem Filter der Marke Eheim und einem Heizstab der Firma Jäger bestückt. Als Bodengrund benutzte ich eine ca. zwei Zentimeter hohe Schicht Quarzsand.
Eingerichtet war es mit drei Kokosnusshälften, die ich mit einem Loch als Eingang versehen hatte. Diese dienten als Höhlenersatz für die Apistogramma. Außerdem noch kleinere Moorkienholzstücke.
Zusätzlich hatte ich noch einige Pflanzen mit eingebracht. Auf der linken Kokosnusshälfte wuchs ein dichtes Büschel Javamoos, Vesicularia dubyana und auf den Moorkienholzstücken das Quellmoos Monosolenium tenerum. In der rechten hinteren Ecke hatte ich den braunen Wasserkelch, Cryptocoryne wendtii, in einen kleinen Blumentopf gepflanzt. An der Oberfläche trieben mehrer Polster des flutenden Teichlebermooses Riccia fluitans. Auch waren einige Stängel Hornkraut, Ceratophyllum demersum, sowie einige Pflanzen Hornfarn, Ceratopteris froesii, vorhanden.


7. Attrappenversuche
Mit diesen Versuchen möchte ich zeigen, auf welche Merkmale die Jungfische in ihren ersten Lebenstagen und –wochen reagieren. Hierzu schnitt ich einen gelben Gummifisch, wie man ihn auch beim Kunstköderangeln verwendet, in kleinere Stücke. Diese hatten ungefähr die Größe des tatsächlichen Muttertieres. Ich bemalte sie mit schwarzer Farbe und verwendete als Pectorale sowie als ersten Hartstrahl der Dorsale schwarz angemalte Zahnstocherspitzen. Insgesamt fertigte ich fünf verschiedene Attrappen an, die sich nur in ihrem schwarzen Zeichnungsmuster unterschieden.
Attrappe 1 wies genau dasselbe Zeichnungsmuster wie das Weibchen auf. Also einen schwarzen Längsstreifen sowie einen schwarzen Querstreifen von der Kopfspitze über die Augen hinunter zur Kehle. Außerdem verfügte es über die schwarze Pectorale und den schwarzen Hartstrahl. Attrappe 2 glich Attrappe 1, nur verfügte sie über keine Pectorale und keinen Hartstrahl. Attrappe 3 hatte als einziges Merkmal einen schwarzen Längsstreifen.
Attrappe 4 sah aus wie Attrappe 1, nur fehlte der Längsstreifen. Attrappe 5 fehlte der Längs- und Querstreifen und wies nur die Pectorale und den ersten Hartstrahl auf.
Als Versuchsbecken nahm ich ein Aquarium mit den Maßen (L/T/H) 30*20*20cm und einem Inhalt von ungefähr 12 Litern. In diesem befanden sich ca. 15 Jungfische und einige Pflanzenreste.
Die Attrappen „steuerte“ ich mit einem ca. 15 cm langen Holzstab.
Auf Attrappe 1 reagierte ein Großteil der Fische sofort. Sie folgten den Bewegungen und schwammen in einem Schwarm hinter ihr her. Es war vergleichbar mit dem natürlichen Verhalten.
Auf die Bewegungen von Attrappe 2 reagierten die Jungfische kaum. Sie schwammen in alle Richtungen, aber folgten nicht ausschließlich der Attrappe.
Auch Attrappe 3 interessierte die kleinen Fischen sehr wenig.
Attrappe 4 löste wieder eine Nachfolgereaktion bei den Jungfischen aus.
Die Bewegungen von Attrappe 5 veranlassten nur wenige Jungfische zum nachschwimmen.
Aufgrund der durchgeführten Versuche komme ich zu dem Schluss, das die schwarze Pectorale in Verbindung mit dem schwarzen Gesichtsquerstreifen, der Hauptgrund für das Nachfolgen der Jungfische ist. Der schwarze Längsstreifen spielt wohl nur eine untergeordnete Rolle.


8. Diskussion
In diesem Kapitel möchte ich niederschreiben, was ich hätte anders machen bzw. verbessern können und auch auf die Probleme, während der Versuchsdauer, eingehen.
Zunächst einmal wäre ein größeres Aquarium vorteilhafter gewesen, da man dort mehrere Weibchen miteinander hätte halten können und sie vielleicht ein Verhalten wie in der Natur gezeigt hätten, wo ein Männchen auch ein großes Revier besetzt. Auch wären dann vielleicht nicht die Gelege bzw. Jungfische gefressen worden, wie es zweimal der Fall war. Beim ersten Mal schlüpften allerdings nur rund 10 Jungfische, weshalb vielleicht das Weibchen diese Brut aufgab um noch einmal abzulaichen mit einem größeren Erfolg.
Auch hätte man ein Aquarium nur mit Buchenblättern einrichten können und so ein natürliches Ablaichverhalten unterstützen können.
Bei den Attrappen hätte man noch andere Versuche ausprobieren können, wie z.B. andere Farben und Formen.


Literaturverzeichnis

Bücher und Zeitschriften:

PAM, Peter: Kakadus im Wasser. In: Aquarium live, April/Mai 2002; hrsg. von Bernd Degen; bede-Verlag GmbH, Ruhmannsfelden 2002, S. 24-31

RIEHL, Dr. Rüdiger, BAENSCH, Hans A.: Aquarien Atlas. Mergus-Verlag, 8. Auflage, 5. Taschenbuchauflage. Melle 1990/91, S. 660, 676


Internetquellen:

http://www.zierfischverzeichnis.de/ordnungen/perciformes/labroidei/#geophaginae

http://www.biotopaquarium.de/wasser/water.htm

Arne
15.08.2005, 02:04
Hallo Jochem,

hier die Bilder mit Erklärungen:

Ungefähr 5 Tage alte Jungfische

http://img191.imageshack.us/img191/9549/bilder0192lw.th.jpg (http://img191.imageshack.us/my.php?image=bilder0192lw.jpg)

http://img191.imageshack.us/img191/1820/bilder0184up.th.jpg (http://img191.imageshack.us/my.php?image=bilder0184up.jpg)

http://img191.imageshack.us/img191/4531/bilder0172tp.th.jpg (http://img191.imageshack.us/my.php?image=bilder0172tp.jpg)


Die Eltern

http://img191.imageshack.us/img191/1175/bilder0801pe.th.jpg (http://img191.imageshack.us/my.php?image=bilder0801pe.jpg)

http://img191.imageshack.us/img191/4739/bilder0766wf.th.jpg (http://img191.imageshack.us/my.php?image=bilder0766wf.jpg)

http://img191.imageshack.us/img191/3658/bilder0417nk.th.jpg (http://img191.imageshack.us/my.php?image=bilder0417nk.jpg)

http://img80.imageshack.us/img80/4729/bilder0248pa.th.jpg (http://img80.imageshack.us/my.php?image=bilder0248pa.jpg)


Hier sind die Jungfische ca. 6 Wochen alt

http://img191.imageshack.us/img191/7051/bilder0545ku.th.jpg (http://img191.imageshack.us/my.php?image=bilder0545ku.jpg)

http://img191.imageshack.us/img191/6827/bilder0517nn.th.jpg (http://img191.imageshack.us/my.php?image=bilder0517nn.jpg)


Noch ein Bild zu dem Attrappenversuch

http://img80.imageshack.us/img80/3858/bilder1054sw.th.jpg (http://img80.imageshack.us/my.php?image=bilder1054sw.jpg)


Die Videos sind noch nirgendwo hochgeladen und ich habe keinen Webspace.

Du kannst den Thread gerne verschieben, ich habe keine Einwände.

Gruß Arne