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Vollständige Version anzeigen : Erste Gedanken - Jungfischfütterung


wasserwelt
26.09.2004, 18:25
Hallo,

bisher habe ich in den meisten Fällen, wenn es um die Fütterung von Jungfischen geht, einen entsprechenden link auf meine threads im aquaristik-talk gegeben. Grundsätzlich ist das eigentlich ausreichend und vermittelt vieles, was man über Jungfischfütterung wissen sollte. Nur kann ich diesen link nur geben, wenn auch gefragt wird, nur viele fragen nicht und wurschteln munter drauflos, weil sie hier keinen entsprechenden Rat finden und auch nicht fragen wollen.
Deswegen werde ich hier mal postings von mir zusammenstellen, die sich mit dieser Problematik beschäftigen.

Nicht jeder Aquarianer hat bei seinem Hobby gleiche Interessen. Einige haben sich auf Fische der großen Grabenseen spezialisiert, andere bevorzugen Pflanzenbecken und viele, so wie ich auch haben sich der Nachzucht von Fischen verschrieben. Die Zucht dieser kleinen Lebewesen ist für mich nun mal das Größte in der Aquaristik.
Daher kann ich gut verstehen, das hier viele, gerade jüngere Aquarianer, Hilfe bei der Vermehrung ihrer Lieblinge suchen.
Wofür mir jedoch jegliches Verständnis fehlt, ist die Planlosigkeit mit der da so einige vorgehen. Es werden Zuchtratschläge eingeholt ohne auch nur die geringste Ahnung zu haben, wie man denn den zukünftigen Nachwuchs versorgen könnte. Hier sollte man sich mal vor Augen halten, dass dieses Verhalten den qualvollen Hungertod teilweise einiger hundert kleiner Fischlein zur Folge hat.
Gerade Fischlarven, die wegen ihrer geringen Größe noch nicht mal in der Lage sind Artemia-Nauplien zu überwältigen, werden besonders stiefmütterlich behandelt. Wenn ich nur mal die Liste derer die im Fischforum um Rat gefragt haben mit unserem Pantoffelthread vergleiche grauselt es mich. Gut, der eine oder die andere werden auf anderen Wegen an Futtertierkulturen herangekommen sein, nur fürchte ich, werden das die wenigsten sein.

wasserwelt
26.09.2004, 18:28
...durch verschiedene Anfragen, mit teilweise erstmal gänzlich unterschiedlicher Problemstellung, hier im Forum aufmerksam geworden, möchte ich nochmal das ein oder andere zum Thema Fütterung von Jungfischen loswerden.
- zum einen geht es natürlich um die Fütterung im allgemeinen,
- dann um die gerade in den letzten Tagen häufig diskutierte Abgabe von Nachwuchstieren
- und auch um das heisse Thema Krankheiten

Häufig bin ich mächtig am Staunen, was einige hier so ihrem "normalen" Fischbesatz anbieten. Die ausgefallendsten Gemüsesorten werden probiert, Obstsorten von denen ich noch nie etwas gehört habe. Was ich auch wirklich klasse finde, dass gerade hier. wie überhaupt in der ganzen Aquaristik-Szene ein Umdenken hin zum Lebend- und auch Frostfutter stattgefunden hat.

Aaaaber, wenn es um den Nachwuchs geht, ist die ganze phantasievolle Fütterung plötzlich zum Teufel gegangen. Insbesondere mit kleinen Zahnkarpfen, wie Guppies, Mollies, Platies, wird schändlich umgegangen. Da ist dann der Zukauf von etwas staubigem Trockenfutter noch als herausragend anzusehen. Oft kommt nach der Frage, was denn füttern, klein geriebenes Flockenfutter reicht da völlig.
Was ist nun die Folge dieser einseitigen Ernährung?
Nun, in erster Linie ist es natürlich das Wachstum. Da haben Babyfische nach 8 Wochen häufig noch nicht einmal die Größe, die sie nach 14 Tagen haben sollten. Eine Folgeerscheinung ist dann, das sie auch nie ihre mögliche Endgröße erreichen. Sie stellen einfach irgendwann das Wachstum ein. Und da sind wir schon bei der Frage, warum nimmt mir mein Händler meinen Nachwuchs nicht ab?
Ein weiteres Resultat schlechter Fütterung ist die hausgemachte Herstellung der Brutstätte von Krankheiten. Nicht vernünftig ernährte Jungfische sind ganz häufig der Ansatzpunkt für Krankserreger. Die Erreger "greifen" sich erstmal das schwächste Glied in der Kette, nämlich nicht ausreichend versorgte Jungfische. Von da greifen sie dann auf die anderen im Becken vorhandenen Insassen über. Viele Krankheiten würden aber gar nicht zum Ausbruch kommen, würde man der Fütterung der Jungfische mehr Beachtung schenken.

Einige werden jetzt sagen, ich will ja gar nicht züchten. Nun gut, aber dann sollte man sich auch keine Fische ins Becken holen, bei denen man davon ausgehen kann, ja muss, dass sich Nachwuchs einstellt. Ich finde so ein kleines Lebewesen hat genauso viel Achtung von uns verdient, wie ein Fisch bei dem wir im Laden 30 Kracher auf dem Tisch gelegt haben.
Ich würd mich freuen, wenn der eine oder die andere über meine Ausführungen mal ein wenig nachdenkt.

wasserwelt
26.09.2004, 18:29
Wenn die Wachstumsschädigung, hervorgerufen durch schlechte Fütterung, oder auch schlechte Wasserwerte, nicht zu weit fortgeschritten ist, lässt sich später einiges, aber längst nicht alles wieder ausbügeln.
In sehr vielen Fällen ist der Krüppelwuchs nicht mehr zu korrigieren. Ich nenne es Krüppelwuchs, auch wenn die äußere Fischform erhalten geblieben ist.

wasserwelt
26.09.2004, 18:32
Thema Artemia-Nauplien:

...mit züchten ist da nicht viel. Es sollen ja keine aufgewachsenen Artemien werden, sondern es sollen die Nauplien verfüttert werden.
Ich mache das etwas unkonventionell. Nicht mit Bruttrichter und auch nicht mit der berühmten Cola-Flasche.
Zuerst braucht ihr Artemia-Eier. Am besten organisiert ihr die bei ebay, da sie dort mit Abstand am preisgünstigsten sind. Kommt bloss nicht auf die Idee, euch das Zeug beim Händler zu kaufen, das ist unbezahlbar. Bei ebay kann man die Konservendose (ist tatsächlich eine) so für 20 bis 30 Euro ersteigern. Auf ein klein bisschen darüber ist noch vertretbar.
Dann braucht ihr einen Luftheber, ich nehm eine Whisper, ein wenig Luftschlauch und einen Ausströmer. Ein Würstchenglas von Aldi, geht natürlich auch ein anderes , Höhe ca. 25cm, Durchmesser ca. 10 cm und ein Stück Plastikfolie.
Das Glas wird zu 80% mit Leitungswasser befüllt, Artemia-Eier je nach Bedarf, sagen wir mal so ein, zwei Teelöffel und immer zwei Teelöffel JODFREIES Speisesalz mit rein. Man kann natürlich auch Meersalz verwenden. Dann die Folie drüber, vorher Luftschlauch durchpieken und Sprudelstein dran. Zuerst wird euch das erschrecken, im Glas wird nämlich alles furchtbar durchgerührt, aber das soll auch so sein.
Dann zwei Tage bei Zimmertemperatur, etwas wärmer ist besser, stehen lassen und vor sich hinblubbern lassen. Dann Ausströmer raus und 10 Min. stehen lassen. Es sammeln sich Eier, bzw. Eierschalen an der Oberfläche und am Grund an. In der unteren Hälfte sammeln sich dann die meisten geschlüpften Nauplien. Die werden dann mittels eines weiteren Luftschlauches in eine Kaffeefiltertüte, ich bevorzuge Melitta, abgesaugt. Aufpassen, dass nicht zuviele Eierschalen mit abgesaugt werden.
Nun braucht man nur noch warten bis das Wasser abgelaufen ist und die Fische können Messer und Gabel rausholen. Ich streife die Nauplien mit dem Finger von der Filtertüte ab, man kann aber auch ein kleines Löffelchen verwenden, oder die Tüte im Becken abspülen.

Vielleicht hört sich das alles etwas kompliziert an, es ist aber kinderleicht.

wasserwelt
26.09.2004, 18:38
Zum Thema Pantoffeltierchen:

Erstmal dieser link: http://www.aquarienforum.de/forum/showthread.php?t=8754

Das ist natürlich schon ein wenig unüberschaubar, aber ich beantworte hier natürlich gern nochmal irgendwelche Fragen dazu.

Und hier nochmal ein link, wo man diese Untiere bestellen kann, so man sie nicht von einem befreundeten Aquarianer abgrasen kann.
http://www.drak.de/

wasserwelt
26.09.2004, 18:40
Zum Thema Mikrowürmchen:

Die Mikrowürmchen zählen zu den Fadenwürmern, von denen weit über 1000 Arten bekannt sind.
Der wissenschaftliche Name lautet Turbetrix silusiae. Auch sie haben recht üble Verwandte, die Fischen, auch Menschen, großen Schaden zufügen können. Aber keine Bange, man kann es vergleichen mit Gift- und essbaren Pilzen, wir beschäftigen uns also nur mit dem nützlichen Vertreter.
Wie der Name schon schon sagt, sind die Würmchen recht klein geraten. Damit man eine Größenvorstellung bekommt; ein grad geschlüpfter Guppy ist bereits in der Lage, so ein Tierchen zu verspeisen. Kleine Apistogrammas können sie ab ca. dem 5. Lebenstag überwältigen. Die Würmchen sind recht fetthaltig und sollten daher nicht täglich gefüttert werden. Insbesondere bei Lebendgebärenden Zahnkarpfen ist mäßig zu füttern, da diesen Fischen meist pflanzliche Kost zuträglicher ist. Ausgezeichnet sind sie zu Aufzucht junger Panzer- und Schwielenwelsen geeignet. Insgesamt kann man sie als willkommene Bereicherung des Jungfisch-Speiseplan sehen, keinesfalls aber als Alleinfutter!
Die Kultur:
Hier gibt es, wie recht oft in der Aquaristik, mehrere Wege die zum Ziel führen.
Zuerst brauchen wir mal ein Gefäss. Bestens geeignet sind Plastiknäpfe, ca. 10cm hoch, wie sie türkische oder griechische Lebensmittelhändler für den Transport von Krautsalat, Oliven oder ähnlichem verwenden. Wichtig! Den Deckel brauchen wir auch.
In das gut gesäuberte Plastiktöpfchen kommen nun ca. 4 Esslöffel Semmelbrösel. Die von Aldi sind übrigens am besten geeignet, warum auch immer, andere oder selbst hergestellte tun es aber auch. Dann kommt Wasser rein, frisches Leitungswasser ist absolut ok, und zwar so viel, dass alle Brösel gut durchgefeuchtet sind. Eventuell überflüssiges Wasser ist abzugiessen, man kann aber noch einige Brösel nachfüllen. Ruhig einige Minuten stehen lassen, es dauert etwas, bis alle Brösel vollgesogen sind.
Auf diesen Brei wird nun ein viertel Stück frische Hefe gelegt. Auf die Hefe (an den Rand) kommen nun einige Würmchen, aus einem Ansatz, den man sich natürlich besorgen muss.
Dann wartet man zwei bis drei Tage und die Ernte kann beginnen. Die Würmchen vermehren sich sehr, sehr schnell und werden am Rand des Gefässes hochklettern. Von da nimmt man sie mit einem Tuschpinselchen ab und gibt sie in ein kleines Töpfchen mit Wasser.
Mit dem Wasser kippt man sie dann zu den Jungfischen.
Alle vier, fünf Tage kann man mit einem weiteren viertel Hefe nachfüttern. Nach ca 3 Wochen sollte die Kultur erneuert werden. Wenn man jedoch kaum füttert, hält sie auch mal 6 Wochen.

Hier noch einige Tipps und Tricks:
- Ganz wichtig Den Behälterdeckel nur drauflegen, keinesfalls andrücken. Es bildet sich sonst Schimmel.
- Ich könnte mir vorstellen, das grad die Mädels unter uns jetzt Bedenken hegen. "Igitt, dann klettern die da raus!" Da könnt ihr völlig unbesorgt sein, bei mir hat noch nie auch nur ein einziges Würmchen die Kultur freiwillig verlassen.
- Um die Vermehrungsrate zu erhöhen, kann man ein wenig Zucker unter die Semmelbrösel mischen. Allerdings verbraucht sich die Kultur dann auch schneller.
- Einige Stunden vor dem Verfüttern ein Vitaminpräparat in die Kultur geben. Dann werden die Würmchen zu Vitaminbomen für die Fische.
- Nie zuviel auf einmal füttern. Die Würmchen sind keine Wasserlebewesen und verendete Tiere könnten das Wasser verderben. Aber das kennt ihr ja schon vom Flockenfutter.
- Die Würmchen vor dem Verfüttern nie spülen ("saubermachen"). Die mikroskopisch kleinen Hefeteilchen, die an den Würmchen haften, sind extrem nahrhaft für die Jungfische.

wagtail
26.09.2004, 19:38
Hallo @all

habe auch nen Gedanken zum Jungfische füttern, und zwar nicht zur Qualität sondern zur Quantität!

Ich züchte nen Stamm Wildguppies...und füttere die Kleinen in den Aufzuchtbecken min. 3 mal am Tag in kleinen Mengen!
Kleine Mengen damit die Wasserbelastung gering bleibt und min. dreimal am Tag damit die Jungfische immer einen vollen Bauch haben und gleichmäßig wachsen können.
Jetzt setze ich aber noch einen oben drauf...ich füttere bei "frischer Brut" und manchmal auch noch etwas länger gegen Mitternacht( wenn ich in die Heia gehe) nocht ein weiteres Mal. Ich bilde mir ein so nen besseren Zuwachs zubekommen...
Wer gibt seinen "babys" ebenfalls ein zusätzliches Nachtmal?

jürgen
26.09.2004, 19:50
hallo helmut,

ich züchte noch einzellige algen (grünes wasser), bei bedarf rädertierchen aus dauereiern und infusorien mit naturreis. letzteres ist aber nicht für salmler geeignet, nur als zusatz bei manchen fischen.

wasserwelt
27.09.2004, 15:47
und infusorien mit naturreis.

Hallo Jürgen,

hab ich vor vielen Jahren auch mal gemacht, nur hatte die Kultur bei mir immer viel mit Gestank und Schmiererei zu tun. Hast du einen Kulturtipp... :rolleyes:

jürgen
27.09.2004, 22:28
hallo helmut,


das war nur als dauerzusatzfütterung gedacht. einfach bei ca 50 l becken ein feines netz ins wasser hängen und da einen kaffeelöffel ungeschälten naturreis rein. also das ganze becken in eine infusorienkultur verwandelt. das klappte recht gut bei panzerwelsen, bei versch. regenbögen, bei zebrabarben und auch bei robusten salmlern wie kaiser, könig, zitronen und brilliantsalmlern.
ist allerdings ne art eiertanz...